Macht Adelskronen irre?
Als ich eben im Internet nach detaillierten Informationen bezüglich dieser Marke gesucht habe, bin ich weder auf eine direkte Homepage gestoßen, noch auf irgendwelche anderen nützlichen Quellen. Gibt man bei Google den Begriff Adelskronen ein, gelangt man jedoch auf das genaue Gegenteil, nämlich auf allerlei beknackte Privatseiten. Da gibt es zum Beispiel die pennyboys.de, die jegliche uninteressanten Privatfotos, aber auch möglichst viel in Zusammenhang mit dem Bier Adelskronen veröffentlichen.
Zwei Bilder sind mir besonders in Erinnerung geblieben. Kompositionen, wie die, in der zwei Kerle vier Finger in die Kamera und einen abstrusen Aufkleber mit der Aufschrift DEAL über frisch ausgespiene Kotze halten Adelskronen als Brechmittel? Oder folgendes: ein dicker, aufgeschnittener, blutverschmierter Fisch, in den ein schniekes Adelskronen Export gestopft wurde wird das Bier bei dieser Firma per Fisch vertrieben? Wie auch immer, wenn ihr Langeweile habt, müsst ihr da unbedingt mal raufklicken.
***** Hintergründe *****
Mit Sicherheit ist die Politik des Dicountmultis Pennymarkt hinsichtlich der Bekanntgabe der kolaborierenden Firmen ähnlich wie bei Lidl, sprich verschwiegen. Was meine ich damit? Hierzu lest normeiers Lidlbericht, oder was ich zu Bergadler geschrieben habe. Daher gibt es in diesem Bericht nur Vordergründiges.
***** Preis / Gebinde *****
Viel Geld musste ich nicht ausgeben, um in den Besitz der 0,5 Liter Dose zu gelangen. Ich glaube etwa 0.29 Cent bei Penny gelassen zu haben. Das ist doch sensationell günstig, oder? Die Linguisten unter Euch werden sofort gemerkt haben, dass ich das Präteritum verwendet habe. Dafür gibt es auch einen plausiblen grund. Im Zuge der aktuellen Pfandreform ist Adelskronen nunmehr in Plastikflaschen erhältlich. In wie weit das deren Rentabilität steigert, kann ich nicht sagen. Zu beachten ist allenfalls, dass bei Penny die Marke Adelskronen (Feldschlösschen eigenartigerweise nicht) nur noch in Sechserformation angeboten wird. Diese kostet 1,79 - durch Sechs geteilt, macht das also wieder schlappe 0,30 Cent. Ob somit weniger Obdachlose erscheinen werden, weil der Vorteil einer einzigen, billigen Dose bzw. Flasche indiskutabel geworden ist? Hmmh....
***** Design *****
Adelskronen Export kam schlicht, aber lieblich daher. Eine Dose in freundlichem, hellen Rot. Das hatte was. Kenne ich von keiner anderen Marke. Vorne und hinten, wie in fast jedem Bierlayout ein weißes Oval. Ich weiß, kein Schwein achtet auf so etwas, doch das markante an diesem Oval ist die horizontale Ausrichtung, wohingegen alle sonstigen, mir bekannten Brauereiovale vertikal, also mit längster Ausdehnung von oben nach unten gestaltet sind. Toll, nicht? Drinnen steht, was sonst, Adelskronen Export. Das finde ich neutral und auf dem Boden geblieben, denn es nervt mich, wenn überall Spitzen Premium Extrem Super Bier draufsteht.
Na, und die Plastikflasche: schlicht, transparent, eine Art Longneckform, relativ klein, ungewöhnlich plastisch und materialbedingt eigenartig anzufühlen. Selbst die Etikette weist kein Rot auf, sondern Schwarz mit dünnen, vertikalen, goldenen Streifen (ähnlich wie bei Schultheiss Pilsener). Einzig das Logo ist geblieben. Über dem Adelskronenschriftzug befinden sich drei Kronen und zwei kleine Sternchen. Ob das auf den Geschmack schließen lässt (vgl. Grafenwalder- Bericht)? Mal sehen.
***** Geschmack *****
Da es sich beim besagten Gebräu um ein Export und zudem um ein Billigbier handelt, war ich skeptisch, was den Geschmack anbelangt. Export heißt ja deshalb so, weil es sich früher im Gegensatz zu Schwarzbier oder Pils länger halten sollte, um es auch in das weiter weg gelegene Ausland verkaufen zu können.
Hopfen dient neben seiner Haupteigenschaft als Bitterstofflieferant auch der Konservierung. Dementsprechend habe ich bei Adelskronen mit einem etwas aggressiv- bitteren Bier gerechnet. Mit billig assoziiert man schnell, so auch ich, ein liebloses Brauverfahren nach dem Wischi-Waschi-Prinzip, also ein unausgewogenes Gesöff. Entgegen meinem Pessimismus war ich jedoch überrascht.
Die halbwegs klare, leicht dunkelgoldgelbe Farbe wird von einer dichten Schaumkrone getopt, die sogar beträchtlich lange erhalten bleibt. Der ausgewogene Schaum zieht sich erfreulicherweise durch alle Geschmacksphasen. Die Kohlensäure im Vorgang prickelt verborgen und dicht. So weit so gut.
Der Hauptgang entpuppt sich unerwartet als dominante, geschmacksintensivste Phase. Er ist von der Konsistenz befriedigend würzig, mit einem für meine Verhältnisse leider zu hellen Kontrast ausgestattet. Auch wenn das optisch nicht stimmt, hatte ich das Gefühl, von einer minimalen, mehligen Trübheit für meine Begriffe nicht ganz Export typisch.
Der Abgang bietet alles andere als eine herbe Natur. Adelskronen ist ziemlich mild gehopft, und daher in der Schlussphase recht langweilig, ja sogar etwas lasch. Schade.
***** Zutaten / Alkohol *****
Wasser, Gerstenmalz und Hopfenextrakt ein Bier nach dem Deutschen Reinheitsgebot. Der Alkoholanteil liegt mit 5,5% etwas über dem Durchschnitt, allerdings fällt das beim Trinken selbst nicht negativ auf und auch am nächsten Tag hatte ich keinen Kater (ich hatte aber auch nur einen halben Liter getrunken).
***** Fazit *****
Adelskronen war für mich eine positive Überraschung, erst recht wegen dem geringen Preis. Das heißt freilich nicht, dass es unter meinen Lieblingsbieren rangiert. Dafür, dass ich so pessimistisch heran gegangen bin, war ich halt nur überrascht.
Der gesamte Vorgang, der Schaum über alle Phasen, die Ausgeglichenheit des Bieres, all das überzeigt zwar, doch der Hauptgang hat an Intensität das, was der Abgang nicht hat. Zu hell würzig und zu mild herb. Dennoch kann man das Bier lässig trinken, da gibt es keine Probleme.
In meinem Dezimalschulnotensystem war ich so gütig, dem Adelskronen Export eine 2,8 bis 2,9 zu geben. Das liegt gerade noch im guten Bereich. Ich gebe indessen zu, dass das kein wirklich ausreichender Test war, denn ich denke, man kann zu dem Bier auch eine andere Beziehung entwickeln, wenn man es öfter trinkt. Aber wer ist schon perfekt? Es gibt einfach noch zu viele Biere, die sehnsüchtig auf mich warten. In diesem Sinne:
Ich muss weg!
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