Wir reden hier über eines der meistgetrunkenen Biere der Welt, denn
- Brasilianer gibt es viele
- Brasilianer trinken gerne und oft Bier (spätestens ab der Mittagspause, danach zu allen Gelegenheiten, gerne auch in der Knallhitze am Strand)
- Das Antarctica ist wohl im Land das beliebteste Bier
Was man wissen muss, wenn man dieses Bier bewerten möchte: Bier wird in Brasilien aus 600 ml oder 1-l-Flaschen getrunken. Die Flasche MUSS beim Kauf im lokalen Getränkeshop eiskalt sein, sonst gilt das Bier als ungenießbar. Nach dem Kauf kommt die Flasche sofort in den Tiefkühlschrank, so dass die Temperatur beim Verzehr nur ganz minimal über 0 Grad liegt. Nicht selten ist das Bies angefroren, wenn es ins Glas kommt. (am Strand verkaufen ambulante Händler Bierdosen aus der Styrobox, wer mit zu warmem Bier aufläuft, hat keine Chance, es loszukriegen). Dann wird die frisch geöffnete Flasche auf putzig kleine (ca. 150 ml)-Gläschen verteilt und jeder der Mittrinkenden bekommt ein Gläschen. Eine kleine Gruppe von 3-5 mittrinkenden macht so im Lauf eines Abends auf diese Art mindestends 10 Fläschchen platt.
Insofern ist es unfair und unangebracht, das Bier mit europäischen Augen zu testen. Wer sich ein nur kühlschrankkaltes Antarctica in den Halbliterhumpen gießt und auf Biergenuss hofft, wird bitter enttäuscht!
Für das Antarctica in Brasilien spricht, dass es besser ist, als seine Konkurrenzprodukte Skol (pures Wasser), Itaipava (das gleiche, nur nochmal verdünnt), Schincariol (irgendwie merkwürdiger Geschmack) oder Brahme (höllische Kopfschmerzen!). Besser als Antarctica, aber nicht überall zu kriegen, ist Bohemia. Andere Biere gibt es für den täglichen Verzehr in Brasilien eigentlich nicht.
Ich würde auch tief bezweifeln wollen, dass das Antarctica tatsächlich die angegebenen annähernd 5% Alkohol hat, vom Gefühl (und von den Eerfahrungen mit massenhaftem Genuss) her würde ich auf nicht mehr als 2-3% tippen.
Fazit: Wenn man das Antarctica als "Bier" betrachtet ist es natürlich nicht konkurrenzfähig. WEnn man es aber als bierähnliches Erfrischungsgetränk begreift, dass überall verfügbar ist, nicht mal teuer ist und eine allemal bessere Alternative zu überteuertem Mineralwasser oder Limonadenplörre darstellt, kann man dem Ganzen durchaus etwas abgewinnen.
Noch eine Randnotiz: Ich habe (Aberwitz!) in Brasilien einmal eine sündteure importierte Flasche Leffe Blonde aufgetrieben und wollte meine brasiianische Verwandschaft damit beglücken - zwischen den ganzen eiskalten Antarcticas hat es einfach nicht geschmeckt...
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| Test vom 27.8.2009, Gebinde: Glasflasche
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Noten: 6,9,12,8,9,10 - 9,40
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